Kampf um Steinach

Das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren

Über 60 Millionen Menschen weltweit verloren ihr Leben durch Krieg, Völkermord, Flucht und Vertreibung, unter ihnen auch etwa 6,3 Millionen Deutsche. Das Gedenkjahr 2020 erinnert uns an die schrecklichen Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft, aber auch an die großen Leistungen der Versöhnung und Zusammenarbeit, die in den letzten 75 Jahren zwischen den ehemals verfeindeten Nationen erbracht wurde.

Am 08. Mai 1945 endete mit der Gesamtkapitulation des Deutschen Reiches in Deutschland der Zweite Weltkrieg, wodurch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ein Ende fand. Dieses Ende war Voraussetzung für den Neuanfang, aus dem letztlich unsere freiheitlich-demokratische Bundesrepublik als fester Bestandteil eines friedlichen und geeinten Europas hervorgegangen ist. Dieses Gut gilt es zu bewahren und dafür einzustehen. Getreu dem Motto des Volksbundes „Gemeinsam für den Frieden“.

Der Kampf um Steinach

Drei Kriegstage vom 06. bis 08. April 1945

„Die Lage ist sehr ernst geworden, wir müssen mit allem rechnen. Behaltet die Ruhe! Ich empfehle euch alle dem Schutze Gottes. Vergesst in der Stunde der Gefahr die Reue nicht! Ich bleibe bei Euch und gebe euch die Absolution“, mit diesen Worten beendete der damalige Ortspfarrer Johannes Schilling die letzte heilige Messe vor den drei Kriegstagen in Steinach. (s. S. 18 Kampf um Steinach). Am weißen Sonntag, dem 08. April 1945, marschierten dann die Amerikaner in Steinach ein.

Über 75 Prozent aller Wohnhäuser und Gehöfte waren an jenen drei Tagen des 6. bis 8. April 1945 durch Beschuss mit Spreng- und Phosphorbrandgranaten zerstört oder beschädigt worden. Der damalige Ortspfarrer Johannes Schilling beschreibt das Ende der Kriegshandlungen in Steinach mit folgenden Worten: „Trotz Elend war die Wiedersehensfreude groß. Galgenhumor hatte sich unser bemächtigt, wir sangen sogar einige Trostlieder aus dem Gesangbuch. Nun wurde mir die Kunde übermittelt, dass Katharina Bauer tot sei. Ein 20-jähriges, hoffnungsvolles Mädchen. Die Eltern waren ganz erschüttert und aufgelöst, zumal sie schon zwei ihrer Söhne im Felde gelassen hatten. Daheim war das Anwesen mit sämtlichem Inventar und 6 Stück Großvieh den Flammen zum Opfer gefallen. Wie groß war doch das Leid!“ (s. S. 27 Kampf um Steinach)

Die Bilanz des Schreckens: Dreiviertel des Ortes (152 Anwesen) waren zerstört, davon 62 Häuser und 83 Nebengebäude völlig niedergebrannt. 296 Einwohner waren obdachlos geworden. Von 784 Steinachern waren 85 tot oder vermisst. Die Pfarrei Steinach einschließlich der zugehörigen Dörfer Roth, Nickersfelden und Hohn hatte nach drei Kampftagen insgesamt 141 Tote zu beklagen.

„Steinach selbst war noch ganz in Feuer und Rauch gehüllt. Ich konnte jetzt zu meiner größten Freude feststellen, dass das Pfarrhaus noch als Ruine stehengeblieben war. Auch die Kirche war durch Brand nicht weiter zerstört, obwohl sie am letzten Tage noch etwa 20 Granattreffer erhielt“, beschreibt Schilling die Schäden an Pfarrhaus und Kirche nach dem Angriff. (s. S. 28 Kampf um Steinach)

„Im letzten Kriegsmonat musste also unseren Heimatort noch dies fürchterliche Schicksal ereilen. Das Erbe einer nationalsozialistischen Größenwahnpolitik hielten die Steinacher nun in Händen.“ (Steinacher Chronik)

„Soweit der Himmel sichtbar war, leuchtete er rot von Feuer. Die unbelaubten Bäume und Sträucher hoben sich düster vom hellen Hintergrund ab. Dann wieder hüllte dichtes Rauchgewölk Himmel und Baumsilhouetten ein. Steinach brennt … der ganze Ort brennt nieder.“

(Zeitzeugenbericht aus dem Buch „Kampf um Steinach)

Gedenkstätten

Die Wanderhütte am Eckartspfad mit Ausblick auf das Dorf gilt als „Gedenkstätte an das brennende Steinach“. Auch die Bergkapelle in Steinach dient als Kriegergedächtniskapelle. Seit über 70 Jahren erinnert sie mit einem Soldatenfriedhof an die überaus hohe Zahl von Opfern im Zweiten Weltkrieg.

Bau der Bergkapelle mit Gedenkstätte

Obwohl Steinach größtenteils zerstört war und auch Roth und Hohn schwere Schäden davon getragen hatten, fanden sich im Jahreswechsel 1945/1946 heimgekehrte Soldaten unter Pfarrer Schilling zusammen und bekundeten ihre feste Absicht, den Kriegstoten der Pfarrei Steinach ein würdige Gedenkstätte zu errichten. Mit dem Erbau der Bergkapelle im Frühjahr 1946 dankten die heimgekehrten Soldaten dem Herrgott für ihre Rückkehr von den Schlachtfeldern und aus der Kriegsgefangenschaft. Zum Gedenken an die gefallenen und vermissten Kameraden und die beim Kampf um Steinach um Leben gekommenen Soldaten und Zivilsten, wurden links und rechts der Kapelle ingesamt 99 Grabmale angelegt.

Die Kapelle wurde am 16.10.1946 durch Bischof Matthias Ehrenfried eingeweiht.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

sehr geehrte Zeitzeugen, die vor 75 Jahren in Steinach waren oder anderswo Ähnliches erlebt haben, verehrte Angehörige der Opfer von damals,

wir erinnern uns in diesen Tagen daran, dass genau vor 75 Jahren unser Ortsteil Steinach kurz vor Kriegsende durch ein wahrlich sinnloses Gefecht zu Dreiviertel zerstört wurde. 152 Anwesen waren zerstört, davon 62 Häuser und 83 Nebengebäude völlig niedergebrannt. 296 Einwohner waren obdachlos geworden. Von 784 Steinachern waren 85 tot oder vermisst. Die Pfarrei Steinach einschließlich der zugehörigen Dörfer Roth, Nickersfelden und Hohn hatten nach drei Kampftagen insgesamt 141 Tote zu beklagen. Viele wurden verletzt, sehr viele verloren all ihr Hab und Gut. Und wer das damals miterlebt hat, der hat heute noch deutliche, klare, schreckliche, bleibend schmerzhafte Erinnerungen. Alle von Ihnen, die das damals erlebt haben, haben noch schaurige Bilder in sich und können viel davon erzählen. Ein wirklich äußerst schmerzhaftes und schreckliches Kapitel in der Dorfgeschichte von Steinach.

Heute denken wir an die Opfer von damals und wir beklagen sie. Wir beklagen das große Leid,  das  über Steinach gekommen  ist, aber  das  ist  es  nicht  allein:  Diese Tage in Steinach sind kein Rückblick in eine ferne Geschichte. Sie erinnert nicht nur an die Millionen von Opfern des Ersten und des Zweiten Weltkriegs. An diesen Tagen machen wir uns bewusst, dass der Krieg auch heute noch große Teile unserer Welt ins Verderben stürzt.

Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen. Die Arbeit an Frieden und Gerechtigkeit geht uns alle an. Treten wir also vereint für ein harmonisches und tolerantes Miteinander ein.

„Jeder Krieg ist eine Niederlage der Menschheit“ (Papst Johannes Paul II.)

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen ganz herzlich, die sich nachhaltig dafür einsetzen, dass die schicksalhaften Tage vom 05. bis 09. April 1945  immer in Erinnerung bleiben; insbesondere geht mein Dank an den Heimatverein Steinach (Bau der Wetterschutzhütte/Gedenkstätte am Eckartspfad) sowie an Elmar Freibott und sein Team (Betreuung der Bergkapelle Steinach).

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Ihr
Andreas Sandwall

1. Bürgermeister

Weitere Informationen

Zur Erinnerung an „das letzte Aufgebot vor Kriegsende“

Buch
Kampf um Steinach
Beitrag zur Ortsgeschichte 05. – 09.04.1945, herausgegeben von Joh. Schilling Pfr.

Der damalige Ortspfarrer von Steinach, Johannes Schilling, zeichnete die Geschehnisse während der Kampfhandlungen um Steinach in den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkrieges auf. Pfarrer Johannes Schilling durchlitt nicht nur mit seinen Pfarrkindern die Schrecken der Zerstörung des Dorfes, er organisierte auch sofort eine großangelegte Hilfsaktion in den Nachbargemeinden und leitete unter schwierigsten Bedingungen den Wideraufbau des Dorfes ein. Der ehemalige Markt Steinach, der dies zu schätzen wusste, verlieh deshalb seinem früheren Ortspfarrer Johannes Schilling im Jahre 1977 als Dank und Anerkennung die Ehrenbürgerschaft.

Bei Interesse können Sie dieses Buch gerne im Rathaus Bad Bocklet für 7,50 Euro erwerben.

Weiterführende Informationen

Mainpost, Sigismund von Dobschütz, 07.05.2012

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Infranken, Johannes Schlereth, 08.04.2020

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