Bad Bocklet Blog

Anpassungsstörungen und Depressionen – Ein Interview mit Chefarzt Arpad Grec aus der Rehaklinik Bad Bocklet

25.05.2022

Herr Grec, was ist eine Anpassungsstörung?

Als Anpassungsstörung wird eine schwere psychische Reaktion auf als belastend empfundene Lebensereignisse bezeichnet. Die Symptome der Anpassungsstörung sind Depression, Angst und Störungen des Sozialverhaltens wie sozialer Rückzug, Vermeiden von Sozialkontakten, Reizbarkeit. Teilweise entwickeln sich körperliche Symptome wie Schmerzzustände oder Störungen des Magen-Darm-Traktes. Weitere Symptome sind ein Gefühl der Überforderung und Schlafstörungen.
Die Störungen setzen in der Regel innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis ein und sollten nach sechs Monaten abgeklungen sein.

Was sind Auslöser einer Anpassungsstörung?

Als Auslöser sehen wir belastende Lebensereignisse wie Todesfälle in der Familie, Verlust des Arbeitsplatzes, Migration, Unglücksfälle und auch schwere körperliche Erkrankungen und Beschwerden. Was körperliche Krankheiten betrifft, legt das Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet großen Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen unseren Fachbereichen Psychosomatik, Orthopädie, Innere Medizin, Urologie und Geriatrie. Hier betreuen wir Patienten mit körperlichen Leiden auch konsiliarisch in der Psychosomatik, wenn sich herausstellt, dass die körperliche Erkrankung zu einer Anpassungsstörung geführt hat.

Wie hängen Anpassungsstörung und Depression zusammen?

Anpassungsstörung und Depression haben häufig dieselben Symptome (Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug, Antriebsverlust, Schlafstörungen, Verlust der Freude und Schwierigkeiten, Alltag und Beruf zu bewältigen). Der Unterschied bei diesen beiden Erkrankungen ist, dass wir bei der Anpassungsstörung die oben beschriebenen Auslöser finden und der Patient auch sehr gut solche belastenden Lebensereignisse als Auslöser definieren kann („Alls fing damit an, dass…“). Die Depression dagegen benötigt bei ähnlicher Symptomatik keinen solchen Auslöser.

Wie lässt sich eine Anpassungsstörung von anderen seelischen Erkrankungen unterscheiden?

Wie bei allen psychischen Erkrankungen ist eine genaue Untersuchung der Vorgeschichte, der Lebensumstände und schließlich der Symptomatologie notwendig, um am Ende die Diagnose zu stellen. Auch eine genaue körperliche Untersuchung mit Erhebung der körperlichen Vorgeschichte des Patienten ist erforderlich, um eventuelle somatische Krankheiten als Ursache für die Beschwerden des Patienten auszuschließen.

Wer stellt eine Anpassungsstörung fest?

Die überwiegende Mehrzahl der Diagnosen Anpassungsstörung wird von Hausärzten, also Allgemeinmedizinern gestellt, weil sich die Patienten im häufigsten Fall bei Beschwerden an den Hausarzt wenden. Unsere Hausärzte sind sehr versiert mit der Diagnosestellung und auch in der Behandlung der Anpassungsstörung. Bei schweren oder langwierigen Fällen sollte ein Psychosomatiker oder Psychiater zu Rate gezogen werden. Es sollte auch immer erwogen werden, eine stationäre Rehabilitation einzuleiten.
In unserer Klinik arbeiten die verschiedenen Fachbereiche sehr eng zusammen, um eine eventuelle Anpassungsstörung festzustellen und eine Behandlung einzuleiten. In einem solchen Fall kann jederzeit die psychosomatische Klinik in die Behandlung eingebunden werden.

Wie wird eine Anpassungsstörung behandelt?

Die Erkrankung wird entsprechend ihrer Symptome behandelt. Ist beispielsweise die Depression im Vordergrund, so ist der Einsatz von Antidepressiva sinnvoll, dazu eine begleitende Psychotherapie. Bei vermehrter Angstsymptomatik sind in erster Linie psychotherapeutische Methoden angezeigt mit der Möglichkeit einer medikamentösen Begleittherapie. Bei diesen beiden Krankheitsbildern und bei Störungen des Sozialverhaltens, wie zum Beispiel in Form eines sozialen Rückzugs, bieten wir in unserer Klinik Therapien wie Gestaltungstherapie, Bewegung, Entspannung, Physiotherapie, Gesprächsgruppen, Einzelgespräche und Anwendungen, um die soziale Integrationsfähigkeit der Patienten zu fördern und ein erhöhtes Stressniveau zu senken.

Lässt sich ein gesunder Umgang mit belastenden Situationen lernen?

Im Grunde lässt sich in der richtigen Umgebung mit den richtigen Hilfen alles lernen, auch der Umgang mit Belastungen und die Erforschung der eigenen Reaktionen darauf sowie die Handhabung der eigenen Belastungsfaktoren. Mit Hilfe der Therapeuten in unserem Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet lernt der Patient individuell angepasst, die aktuelle Belastungssituation zu verarbeiten und eventuelle zukünftige Belastungen in gesundem Ausmaß durchzuhalten. Dies ist natürlich ein Lernprozess, der auch nach einer Rehabilitationsbehandlung häufig ambulant weitergeführt werden muss.

Bietet die Rehaklinik Bad Bocklet eine Reha für Betroffene und wie sieht diese aus?

Unsere Klinik ist in hohem Maße für die Behandlung von Patienten mit dieser Diagnose angepasst. Durch eine Kombination von therapeutischen Maßnahmen, Psychotherapie, Anwendungen, Schulungen, Sport, Entspannung, Physiotherapie, Sozial- und Ernährungsberatung, wenn nötig medikamentöser Behandlung und durch fachübergreifende medizinische Hilfestellung haben wir einen multimodalen Ansatz, welcher unseren Patienten die optimalen Voraussetzungen für eine effektive Linderung der Beschwerden gibt.

Wer kann die Reha-Maßnahmen in Anspruch nehmen?

Im Grunde kann jeder Patient mit der Diagnose Anpassungsstörung unsere Leistungen in Anspruch nehmen und in den meisten Fällen ist eine stationäre Rehabilitation bei diesem Krankheitsbild sinnvoll und notwendig. Kostenträger und Ansprechpartner für den Betroffenen sind die Rentenversicherung (zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit), Krankenversicherung (für die Linderung der Erkrankung, wenn man noch nicht oder nicht mehr in erwerbsfähigem Alter ist) oder die Beihilfe und natürlich die Möglichkeit, als Selbstzahler unsere Klinik zu kontaktieren und eine Aufnahme bei uns in die Wege zu leiten.

Was mache ich in der Zeit der Reha mit meine/m Kinder/ern?

Wir bieten in unserer Rehaklinik die Möglichkeit, eigene Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren für die Dauer der Rehabilitation mitzubringen. Patient und Kind/er erhalten ein gemeinsames Zimmer. Tagsüber betreuen unsere ausgebildeten Betreuer/innen die Kinder in unserem Kinderregenbogenland, essen mit ihnen zu Mittag, unternehmen gemeinsame Ausflüge in die Umgebung, basteln und spielen. Schulpflichtige Kinder können während der Dauer des Aufenthaltes als Gastschüler eine der nahegelegenen Schulen besuchen. Um den Transport von und zur Schule kümmern wir uns. Am Nachmittag und Abend verbringen die Patienten und ihre Kinder dann gemeinsame Zeit.

Das Reha- und Präventionszentrum Bad Bocklet

Reha- und Präventionszentrum Bad Bocklet

Frankenstraße 36
97708 Bad Bocklet

Belegungsabteilung

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